4 Mythen zu Lernvideos

Lernvideos, Lernfilme, Tutorial, etc. blühen momentan voll auf – ein fast schon ungebrochener Trend. Nur schon auf Youtube findet man den Beweis dazu, über 135 Millionen „how-to“ Videos existieren per heute. Viele Unternehmen und Bildungsinstitute produzieren Lernfilme. Dabei spielt auch das Stichwort Flipped Classroom eine grosse Rolle – also v.a. Theorievermittlung in die Vorbereitung in Form von Lernvideos auszulagern. Richtig aufbereitet können Lernvideos tatsächlich einen positiven Lerneffekt erzielen. Dennoch gibt es immer noch einige Mythen, mit denen hier aufgeräumt werden soll.

Video-Lernen ist rein passives Lernen

Zu den guten alten Zeiten, als man noch Sprachen, Mathematik u.ä. am Fernseher lernte (Telekolleg lässt grüssen), da liess man sich wohl genüsslich in den Fernsehsessel sinken und konsumierte die Sendung passiv.
Heutzutage sind aber Lernfilme nicht einfach ein reines Konsumationsgut (sie können es natürlich sein, wenn man es einfach produziert hat). Die Lernvideos können mit interaktiven Elemente angereichert werden (z.B. Lernkontrollfragen, Verlinkungen zu weiterführenden Infos), die Lernvideos können Szenen-basierte Videos sein oder sogar in 3D-Welten stattfinden (z.B. mit Oculus Rift oder Google Cardboard). Also wichtig, dass es nicht nur beim Video selber bleibt, sondern wie dieses angereichert wird.

Nebst der Anreicherung spielt aber auch die Videodauer eine Rolle. Die Aufmerksamkeit des Menschen ist von 12 auf 8 Sekunden gesunken (Studie http://time.com/3858309/attention-spans-goldfish/) – im Vergleich dazu, ein Goldfisch hat sogar noch stolze 9 Sekunden. Früher war man sich noch gewohnt, sich stundenlang in ein Lehrbuch zu vertiefen und voll und ganz darauf zu konzentrieren. Die heutige Generation lebt aber in einer schnelllebendigen Welt und verhält sich auch entsprechend so. Somit wird kurz und intensiv etwas fokussiert, dann aber gleich zum nächsten Thema gegangen. Dies bedeutet, dass anstatt ein 10 min. Lernvideo zu verwenden, sollte dies eher in kleinere Lernvideos (Nuggets) von 1 – 3 Minuten auf gesplittet werden.

Lernvideos benötigen zu viel Datenvolumen über’s Internet

Manchmal kommt als Vorwand, dass zwar Lernvideos ja schön und nett seien, aber rein technisch nicht umsetzbar. Vor allem eine zu schwache (langsame) Internet-Verbindung sei ein Hindernis, damit man Lernvideos einsetzt. Dieses Argument hätte vor einigen Jahre durchaus noch seine Begründung gehabt. Heutzutage verfügen aber sowohl Privathaushalte wie auch Firmen über schnelle Internetverbindungen. Auch im Bereich Mobile hat sich technisch viel getan, d.h. mit den meisten Mobile-Abos hat man eine rasche, mobile Internetverbindung.

Lernvideos passen sich nicht den individuellen Lerntempo an

Jeder lernt individuell, auch hat jeder sein persönliches Lerntempo. Und mit Lernvideos sei dies nicht mehr möglich. Ach ja? Und wieso gibt es denn bei Videos Knöpfe mit den Aufschriften: Start/Play, Stop, Vorwärts und Zurück? Genau hier liegt doch der Vorteil, man kann jederzeit wieder an die Stelle zurück, die man nicht verstanden hat – je nachdem könnte man eine Sequenz nochmals langsamer anschauen, um alles nachvollziehen zu können.

Lernvideos sind zu teuer

Auch dieses Argument wäre vor einigen Jahren noch durchaus nachvollziehbar gewesen. Aber heute nicht mehr. Fast jeder hat schon ein Smartphone – und ein solches Smartphone eignet sich bestens zu Videoaufnahmen. Also das Aufnehmen ist schon einfach und günstig. Aber auch der Videoschnitt kostet nicht mehr viel, mit Programme wie iMovie, MovieMaker, Instagram oder Vine sogar gratis. Mit Periscope (aus dem Hause Twitter) lassen sich Videos sogar live streamen (z.B. um mal eine Vorlesung zu übertragen).

Fazit

Lernvideos
Lernvideos, Quelle: Foster

Interessant auch die Ergebnisse dieser Studie: 90% der Informationen, die zum Gehirn transportiert werden, sind visuell. Aber nicht nur das, visuelle Informationen werden über 60‘000x schneller verarbeitet als reiner Text. Und ein Minute Lernvideo ersetzt 1.8 Mio. Wörter. Also, sind dies keine überzeugenden Argumente?

Natürlich können Lernvideos nicht in jeder Situation verwendet werden. Aber viele Barrieren waren von früher und sind heute kein Grund mehr, dass es nicht gehen sollte.

 

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