Informelles Lernen

Noch immer wird in der Mehrheit Schulung über formelle Formen wie Präsenzkurse und standartisierte Tests vermittelt. Für gewisse Situationen ist diese Form auch sinnvoll, wenn bewusst und gezielt Wissen zu einem bestimmten Zeitpunkt vermittelt werden muss (z.B. Compliance-Schulung). Es stellt sich aber die Frage, ob ansonsten diese Form noch die passende ist….. Hier kommt der Ausdruck „informelles Lernen“ und 70-20-10 zum Tragen.

Das 70:20:10 Modell basiert auf den Ergebnissen von Recherchen von Lombardo & Eichinger, ausgeführt im Jahre 1996. Ihre Untersuchungen ergaben, dass die Lernerfahrungen erfolgreicher und effizienter Mitarbeiter zu 70% aus der Bewältigung der Aufgaben bei der Arbeit, zu 20% aus dem Austausch mit den Kollegen und zu 10% aus den Inhalten klassischer Kurse und Präsenzveranstaltungen hervorgegangen sind.

702010

Dabei können sogar die Kosten durch informelle Lernstrategien gesenkt und gleichzeitig die Effizienz und Produktivität der Mitarbeiter erhöht werden. Sogar schon im Jahr 2010 stellte Gartner fest, dass über ein entsprechendes IT-System die Mitarbeiter ihre IT-Fragen selber beantworten können und somit gut 40% der Kosten beim First Level Support eingespart werden (Quelle: Gartner).

Einige Basics

Formelles Lernen basiert traditionell auf einem passiven Konzept und nicht auf einem aktiven. Sowohl in der Schule, aber auch bei Mitarbeiterschulungen findet vor allem ein Frotanlunterricht statt. Dabei wird dem Lernden auch klar gesagt, was gelernt werden muss und wie. Die Herausforderung für den Lernenden ist, dass er zu einem Zeitpunkt mit einer grossen Menge an verschiedener Informationen konfrontiert wird – und vieles davon kann momentan nicht gerade in der Praxis umgesetzt werden. Dies bedeutet, viel Information, wenig Umsetzung und somit ist die Nachhaltigkeit der Schulung eher gering.

Dies soll nun aber nicht bedeuten, dass formelle Schulungssettings nicht mehr gut seien. Auch diese haben ihre Vorteile, da sie zielgerichteter und systematischer sind. Der Lernerfolg kann auch direkt nach der Schulung über Prüfungen, Quiz oder anderen Instrumenten überprüft und nachgewiesen werden. Jedoch sollte das formelle Lernen nicht das einzige sein – die Kombination mit informellen Lernen macht den Erfolg erst aus.

Aber auch informelles Lernen bringt so seine Herausforderungen mit sich. So muss nämlich der Lernende sich aktiv am Lernprozess beteiligen. Dies kann z.B. durch das stellen von gezielten Fragen zur Schliessung von Wissenslücken geschehen. Diese Aktion geschieht aber nicht durch eine Vorgabe von oben, sondern es wird dann gefragt, wenn der konkrete Bedarf besteht. Mit anderen Worten: Die Inhalte werden unmittel benötigt, um ein reales und aktues Problem zu lösen, statt um sich lediglich für ein potenzielles zukünftiges Problem zu wappnen.

Der offensichtlichste Vorteil informellen Lernens besteht darin, dass die Motivation der Lernenden in der Regel deutlich höher ist. Sie entscheiden bewusst, was sie wann lernen möchten. Das erlangte Wissen ist in der Regel von unmittelbarem Nutzen für sie. Informelles Lernen läuft dabei zumeist ohne eine festgelegte Struktur und ohne explizit formulierte Ziele ab und wird von den Nutzern meistens nicht einmal als „Lernen“ wahrgenommen.

Tools

Grundsätzlich ist zu sagen, dass informelles Lernen spontan und situationsbedingt stattfindet. Deshalb kann es von aussen auch nicht angeordnet werden bzw. versucht man es, ist der Effekt meistens kontraproduktiv.
Es gibt einige Tools, die das informelle Lernen unterstützen. Die Empfehlung zum Einsatz sollte hier sein, dass diese den Lernenden angeboten werden – aber immer zur freiwilligen Nutzung (evtl. mit einer entsprechenden Anleitung / Support in der Anfangszeit).Nachfolgend werden einige mögliche Tools vorgestellt.

SkillCatch

skillscatchDiese App ist sowohl für iOS wie auch für Android verfügbar und in der Grundversion kostenlos. Dank dieser App ist es möglich, etwas Gelerntes sowohl per Video (über das Smartphone) aufzuzeigen und auch zu kommentieren. Man kann also so selber kleine Lernfilme erstellen. Der Vorteil ist nun, dass diese Lernfilme über eine Cloud mit einem Personenkreis geteilt werden können. So kann also ein Mitarbeiter sein Wissen gleich adhoc mit den anderen Mitarbeitern teilen.
Weitere Informationen unter:
http://de.e-doceo.net/e-learning-software/lcms/skillcatch.php

Slack

app-256Hierbei handelt es sich um ein Kommunikationstool ähnlich dem eines Chats, mit öffentlichen und privaten Räumen. Ähnlich wie bei Twitter können Nachrichten und Dokumente mit Hashtags versehen werden so dass später ein rascheres Auffinden möglich ist. Der Vorteil liegt also ganz klar darin, dass mit dieser Kommunikationsplattform dynamisch Informationen und Wissen ausgetauscht werden kann.
Das Tool ist für verschiedene Plattform erhältlich und in der Basisversion kostenlos.
Mehr Infos hier.

Yammer

Bei Yammer handelt es sich um ein Produkt aus dem Hause Microsoft. Die Idee ist schnell erzählt: Facebook für Unternehmen. Dank diesem Tool kann firmenintern das Prinzip von Social Media angewendet werden. Die meisten Mitarbeitern kennen sich wahrscheinlich  mit Facebook aus, so dass die Einarbeitung in Yammer relativ kurz ausfallen sollte.
Weitere Informationen hier

StarMind

Starmind_Logo.svgBei StarMind handelt es sich um ein Selbst-Lernendes-Wissenssystem, basierend auf Algorithmen. Mit dem System können über das Intranet Fragen formuliert und dann an die am besten geeigneten Kollegen weitergeleitet werden. Swisscom setzt dieses Tool schon erfolgreich ein. Alle 20’00 Mitarbeiter haben darauf Zugriff und durchschnittlich werden 92% der gestellten Fragen durch die MItarbeiter selber beantwortet – die Hälfte davon innerhalb von 2 Stunden. Über 5 Mio. Franken an Zeitersparnis hat dadurch die Swisscom gewonnen.
Weitere Infos hier.

 

 

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